Die Schwierigkeiten...

Die Motivation zu meinem Angebot entstand nach folgender Begebenheit: Zwei Senioren buchten eine Schiffsreise entlang der norwegischen Küste in ihrem Reisebüro. Der Abfahrthafen lag nicht in ihrer Heimatstadt oder nur eine Taxifahrt entfernt,  sondern im Ausland. Alles schien bestens organisiert und vorbereitet für den Flug dorthin. Als ich mich meiner Berufsnatur getreu „nur noch mal schnell“ um die Reservierung der besten Sitzplätze kümmern wollte, begannen die ersten Unstimmigkeiten. Die Fluggesellschaft stellte bei meinem Anruf und meiner entsprechenden Nachfrage fest, dass der Rollstuhl, der den Senior auf dem Flughafengelände des Abflug- und des Umsteigeortes sicher und zeitnah hin und herbringen sollte, vom Reisebüro „nicht richtig“ beantragt worden und somit auch gar nicht bestätigt worden war. Einen Tag vor Abreise. Zum Glück konnte ich dies noch korrigieren.

Am Abflugtag war ich am Flughafen, um den Weg zum Check-In zu verkürzen. Die Dame hinter dem Tresen rief beim zuständigen lokalen Rollstuhl-Dienstleister an und meldete die Ankunft des Passagiers. Das Gepäck wurde aufgegeben und die Herrschaften wurden gebeten, am Ende des Ganges Platz zu nehmen und auf den Service zu warten. Man plauderte und freute sich auf die Reise, vergass darüber die Zeit. Nach 20 Minuten ging ich erneut zum Schalter und fragte nach dem Rollstuhl, schliesslich war ein Grund der frühen Ankunft am Flughafen, dass hinter dem Check-In noch ein Frühstück eingenommen werden sollte. „Oh“, sagte die Dame am Schalter der Fluggesellschaft, „ist noch niemand erschienen?“. Sie rief noch einmal an, es sei viel zu tun an dem Morgen. Kurz danach sah ich aus der Ferne einen DRK-Mitarbeiter den Rollstuhl vor sich her schiebend, und lächelte ihm fröhlich entgegen. Er erwiderte mit einem Kopfschütteln und kam näher. Es sei zu viel los momentan, die Gattin müsse den Rollstuhl bitte selbst schieben (ich konnte nicht, da ich keine Zugangsberechtigung bis zum Flugzeug hatte). So entschwanden der Senior und seine zum Glück mobile Ehefrau dann in den Sicherheitsbereich, ohne weiteres Handgepäck, dessen Transport problematisch geworden wäre. Ich winkte Gute-Reise-wünschend und begab mich zurück in mein Büro.

Kaum war ich dort angekommen, klingelte das Telefon: „Jessica, mir ist eben beim Biss in ein Brötchen hier am Hamburger Flughafen ein Zahn abgebrochen“ (ich erwartete die zweite Satzhälfte „…und wir fahren jetzt wieder nach Hause zurück“…), „Du musst bitte einmal in Bergen anrufen und einen Zahnarztbesuch ausmachen für mich, wenn wir dort gelandet sind“. Es folgten mehrere Telefonate mit dem Ausland, und der Termin stand. Vor Ort wurden beide dann auch schon erwartet. Die Ehefrau wurde in dem Land, dessen Sprache sie nicht sprach, für das sie keine passende Währung parat hatte, in ein Taxi gesetzt, in Richtung Zahnarzt. Der Zahn konnte provisorisch repariert werden. Der Senior-mit-Rollator wurde währenddessen schon zum Schiff begleitet. An Bord gab es dann sogar noch ein wundervolles Upgrade, und die Traumreise konnte beginnen.

* * *

Für mich als jemand, der seit über 25 Jahren mit Herzblut Touristen und Geschäftsreisende auf Gruppenreisen begleitet, war dieser Vorgang die Initialzündung für eine neue Idee für Individualreisende. So etwas sollte nicht wieder per Fern-Organisation passieren. Das nächste Mal wollte ich begleitend in der Nähe bzw. direkt helfend dabei sein, wenn derartige unvorhergesehene Erschwernisse auftauchen.